Pfarrer Thomas Maleja zur Geschichte des Fest des Glaubens

Pfarrer Thomas Maleja aus Flieden war von 1993 bis 2005 Jugendpfarrer im Bistum Fulda und während seiner Amtszeit maßgeblich an der Entstehung des Fest des Glaubens beteiligt. Um die Hintergründe zur Entstehung und Geschichte des Fest des Glaubens zu erläutern, hat er uns Rede und Antwort gestanden, wie das damals zustandegekommen ist.
Vor 15 Jahren hat das Fest des Glaubens angefangen. Du warst ja damals als Jugendpfarrer maßgeblich daran beteiligt, dass das entstanden ist.
Ich war der Initiator, ja.
Wie kam es eigentlich dazu, was war die Idee dahinter, wer die treibenden Kräfte?
Offizieller Ansprechpartner für die staatlichen Gremien in der Jugendarbeit ist nur der BDKJ. Wenn jetzt zum Beispiel pädagogische Maßnahmen wie ein Gruppenleiterkurs gemacht werden, dann haben nur BDKJ-Verbände Anspruch auf Förderung. Eine Sonderregelung gab es für die KJF und die Junge KAB, die wurden geförder durch das Jugendbildungswerk der Diözese Fulda als religiöse Bildungamaßnahme, die man übertragen konnte auf pädagogische Maßnahmen. Keinen Zugriff auf diese Fördermöglichkeiten hatten die Malteserjugend und die Schönstatt-Mannes– und –Mädchenjugend.
Daraufhin gab es einen Pfarrer, der mit Schönstatt sehr verbunden war, Pfarrer Rudolf Liebig, der hat sich da mal riesig drüber aufgeregt und hat mir da mal versucht den Kopf zu waschen, dass er keinen Zugriff hat auf diese öffentlichen Fördermittel. Darauf hin haben wir gesagt: Gut, wir machen mal ein Treffen und eroieren da mal, wie das eigentlich wirklich ist. Dieses Treffen fand statt ein Jahr vor dem ersten Fest des Glaubens in Dietershausen und da wurde diese Ungleichzeitigkeit festgestellt zwischen BDKJ-Verbänden und Nicht-BDKJ-Verbänden.
Pfarrer Liebig hat dann auch die Aussage getroffen, wenn dem Bischof Dyba die Jugendarbeit etwas wert ist, die nicht nur im BDKJ ist, sondern auch die andere Jugendarbeit, dann muss er da auch was für tun.
Bei der Malteserjugend gab es damals einen Referenten, den heutigen Diakon Markus Agricola, der hat gesagt: Jetzt regen wir uns auf, über dies und jenes, wir müssten einfach mal etwas positives für die Jugend machen! Und da wurde die Idee geboren, wir machen ein Fest des Glaubens. Das Fest des Glaubens hatte dann noch ein Vorprogramm: Und zwar sollten aus allen Gegenden der Diözese Fulda in Form von Sternwallfahrten die Leute nach Dietershausen kommen, am besten Laufen. Das hat auch beim ersten Mal stattgefunden von einigen Pfarreien. Zum Beispiel vom Petersberg aus ist der damalige Kaplan Stitz mit Jugendlichen hergelaufen und auch auch aus einigen anderen Pfarreien. Aber im Großen und Ganzen war das mit der Wallfahrt nach Dietershausen nicht ganz so angenommen, dafür das Programm hinterher: Wir hatten Podiumsgespräch, Gesprächskreise, einen feierlichen Gottesdienst am Nachmittag, Mittagessen, also so, wie die Struktur des Fest des Glaubens heute ist – da hat sich eigentlich nicht viel verändert.
Das war so der Geburtspunkt. Erst eine Frustration darüber, dass es eine Ungleichbehandlung der Jugendlichen im Bistum Fulda gibt, und infolgedessen dann eben die Idee, wir wollen nicht nur meckern und lamentieren, dass es uns so schlecht geht, als Nicht-BDKJ-Verband, sondern wir wollen auch was positives für die Jugend machen. Daraufhin haben sich eben alle Nicht-BDKJ-Verbände, das waren eben die Schönstatt-Mannes– und die Schönstatt-Mädchenjugend, die Malteserjugend, die Junge KAB und die KJF zusammengetan und haben eben dieses Fest des Glaubens aus der Taufe gehoben.
Wohl nicht ausschließlich, sondern wohl sind alle eingeladen gewesen, also es gab keine Zugehörigkeit zu einem Verband um dort teilnehmen zu dürfen, sondern es war von diesen besagten Verbänden ein Fest für alle Jugendlichen des Bistums und es hat sich eben ausgebaut zur größten und erfolgreichsten Jugendveranstaltung im Bistum Fulda.
Was war eigentlich das Ziel, das man damit erreichen wollte?
Man wollte einfach für die Jugendlichen etwas positives bieten, man wollte einfach den Jugendlichen eine Möglichkeit geben, zusammenzukommen und den Glauben zu feiern, also zu sehen, dass Kirche schön ist, dass Kirche Spaß macht und dass man Glaube auch feiern kann, dass Glaube auch nix langweilige ist, sondern dass man da auch wirklich was von hat und dass man da auch richtig froh bei sein kann.
Wie waren damals die Teilnehmerzahlen, beim ersten, zweiten Mal?
Beim ersten Mal warns glaub ich auf Anhieb 150 Teilnehmer und das hat sich dann immer weiter gesteigert, sodass man die 500 bald überschritten hat und ich glaub das höchste war mal knapp 1000, aber mittlerweile hat sichs wohl bei 700 – 800 so eingependelt, letztes Mal warns ja glaub ich auch 600 oder so.
Oder ein bisschen weniger. Aber es ist schon ne Leistung, dass so viele Jugendliche aus dem ganzen Bistum aus einem Zeitraum von über 15 Jahren zusammenkommen.
Was war denn dein schönstes Erlebnis, oder ein herausragendes Erlebnis aus 15 Jahren Fest des Glaubens? Ich glaube, du warst ja auch bei jedem Fest des Glaubens dabei.
Ja, natürlich. Als Jugendpfarrer damals war ich selbstverständlich — und als ich nicht mehr Jugendpfarrer war, bin ich einfach gekommen, weil ich diese Einrichtung toll fand.
Und da gab es verschiedene Höhepunkte… Also einmal fand ichs grandios, dass der Weihbischof Everard de Jong aus Ramond in Holland kam und uns die Katechese gehalten hat. Das fand ich ganz klasse, er kam mit seinem kleinen Autochen angefahren — persönlich gefahren — und hat diese weite Strecke auf sich genommen um einfach bei den Jugendlichen zu sein. Das war unbedingt ein Höhepunkt: Unabhängig davon, was er uns als Botschaft rübergebracht hat, einfach auch zu erleben, in welcher Einfachheit, wie dieser Bischof mit seinem kleinen Autochen angefahren kommt.
Wenn du mal vergleichst, vom ersten Fest des Glaubens, bis heute, was hat sich da verändert, was ist dir aufgefallen an guten oder auch negativen Entwicklungen in diesen 15 Jahren?
Also positiv verändert hat sich einfach, dass manche Dinge professioneller geworden sind. Zum Beispiel am Anfang haben wir selbst das Grillen organisiert, das war dann manchmal nicht ganut organisiert, weil einfach zu wenige Grills da waren und riesenlange Essensschlangen anstanden. Und als wir dann die Familie Brähler bekommen haben, die dann so einen richtigen Würstchenstand besorgt hat, also das ist professioneller geworden.
Das ist ein Punkt, der professioneller geworden ist, und sicher andere Sachen dazu auch. Man lernt einfach dazu von Fest des Glaubens zu Fest des Glaubens, es werden ja auch Notizen gemacht, was ist gut gelaufen, was ist schlecht gelaufen und achtet im nächsten Jahr auch darauf, dass es besser wird und das hat sich eigentlich durchgetragen.
Gibt es auch irgendwelche negativen Entwicklungen, oder Sachen, wo man sagen muss: „das war nicht so gut.“?
Da ich heute nicht mehr in der Vorbereitung des Fest des Glaubens drin bin und einfach nur als Teilnehmer hingehe um zu genießen, kann ich jetzt nicht sagen, dass da irgendwelche Dinge negativ geworden sind oder schlechter geworden sind. Da müsste man die Leute fragen, die die Last des Tages tragen und in der Organisation drin sind. Also so als Teilnehmer kommt man hin und findets eigentlich schön und fährt wieder weg. Und da kann ich jetzt nicht sagen, dass das Negativ-Entwicklungen sich breit gemacht haben.
Du hast vorhin ja schon gesagt, du siehst es schon als erfolgreiches Projekt, dass sich jetzt auch über die Jahre bewährt hat. Was meinst du, wo könnte der Grund dafür liegen, dass sowas so gut läuft und andere Initativen in der Jugendarbeit nicht so eine lange Lebensdauer haben oder nicht so viele Leute begeistern? Was ist das Besondere am Fest des Glaubens?
Das Besondere am Fest des Glaubens ist, dass es eigentlich bis auf minimale Hilfen durch das Bischöfliche Jugendamt komplett von Ehrenamtlichen getragen worden ist. Und diese Ehrenamtlichen haben ihr Herzblut dafür gegeben, das spürt man einfach. Die Schönstätter und die KJF und auch die anderen, die sagen: „Das ist unser Fest des Glaubens.“ Und deswegen engagieren sie sich und deswegen wird’s gut. Darin sehe ich die Erfolgsgeschichte beim Fest des Glaubens.
Welche Menschen sind denn über die Jahre – du hast da ja den Überblick drüber – besonders mit dem Fest des Glaubens verbunden gewesen, oder welche waren auch besonders in der Anfangszeit herausragend und haben besonders viel dazu beigetragen zum Gelingen des Fest des Glaubens?
Eine Person, die man wirklich als herausragend nennen kann ist einmal Schwester Annemonika von den Schönstätter Marienschwestern. Ich bin jetzt kein Schönstätter und hab am Anfang erst ein bisschen gemischte Gefühle gehabt, sollen wir uns darauf einlassen, zu so einer geistlichen Gemeinschaft, die manchmal den Vorwurf der Einseitigkeit hat, soll man sich darauf einlassen? Aber wir haben folgendes festgestellt: Wir waren dort auf dem Gelände einfach willkommen, die Schwestern haben uns in keinster Weise irgendwie versucht, ihre Spiritualität aufzudrücken oder so etwas, sondern sie waren einfach für uns da, sie haben im Hintergrund für uns gebetet. Und diese kleine Schwester Annemonika – von der Körpergröße klein – hat eine ganz große Größe gehabt, denn sie hat uns da sehr unterstützt.
Eine andere Person, die ich einfach mal nennen muss, das ist der Mattias Heil aus Baunatal, ein Mensch, der einfach ein Arbeitstier ist, der einfach immer gekommen ist und der da war und der icht gefragt hat, was krieg ich dafür, sondern, der einfach geschafft hat.
Und dann eben viele andere auch, die als Jugendliche, als Seminaristen mitgearbeitet haben, zum Beispiel auch Jens Clobes, mittlerweile wird er jetzt Pfarrer, der war in der Anfangszeit noch Seminarist. Es gab immer so einige, die haben sich darauf eingelassen, fanden das auch ein tolles Projekt und haben da einfach mitgemacht. Von daher kann man da vielen Leuten denk ich Danke sagen.
Die Geschichte wird sicherlich weiterlaufen mit dem Fest des Glaubens. Hast du Wünsche für die Zukunft, wohin es sich entwickeln könnte, oder soll einfach nur alles bleiben wie es ist?
Wenn immer alles so bleibt, wie es ist, dann ist man irgendwann von gestern.
Da muss man schon ein bisschen schaun, was ist der Zahn der Zeit. Aber was auf jeden Fall bleiben sollte, ist diese Spritzigkeit, diese Fröhlichkeit im Glauben und die Verbundenheit und Treue zur Kirche. Das war immer eine Stärke des Fest des Glaubens, Kirche hat da Freude gemacht und man hat nicht irgendwie rumkritisiert und irgendwelche Zölibatsdiskussionen entfacht – die dürfen natürlich auch sein, aber es ist einfach eine Freude an der Kirche da und die muss einfach als Continuum erhalten bleiben.
Ansonsten kann man ja immer mal was ausprobieren und durch Interviepwartner oder soetwas einen besonderen Akzent setzen. Aber ansonsten denke ich, die Treue zur Kirche sollte erhalten bleiben.
Was ist deine Meinung, wenn man mal überlegen würde, auch andere Verbände aus dem BDKJ mit einzubeziehen: Hälst du das für sinnvoll, eine gute Idee, oder wovon hängt das ab?
Es hängt davon ab, ob die Leute bereit sind, ihr Herzblut zu geben. Ich wäre nicht dafür, wenn es auf einmal eine Veranstaltung wäre, die getragen würde von irgendwelchen Funktionärsgruppen. Dann wäre das ganz schnell der Tod vom Fest des Glaubens. Wenn, dann müssten es Leute sein, die sagen: „Hey, ich find das toll, das Jugendliche zusammenkommen, ich find das toll, dass Jugendliche ihren Glauben feiern, dass sie froh die Kirche erleben.“ Dann darf man da nicht Halt machen, bei irgendwelchen Verbänden oder Zugehörigkeiten, sondern muss einfach sagen: „wem die Kirche am Herzen liegt, der soll da mitmachen.“
Dann schonmal vielen Dank.
Ich werde sicherlich beim nächsten Fest des Glaubens auch wieder dabei sein
JM


Es wurden 2 Kommentare zu Pfarrer Thomas Maleja zur Geschichte des Fest des Glaubens geschrieben
Hallo Ihr Lieben in Spanien!Herzlichen Dank dass Ihr uns hier in Deutschland an Euren Tagen per Mausklick tneilehmen lasst!!!Herzliche Grüße an unsere Kinder/Jugendlichen, Elisabeth und Jonas Klöckner!!!Gottes Segen und tiefe Freude in der BegegnungKarin Klöckner
Danke für das tolle Interview!